kultur

Ausstellung zur Interkulturellen Woche Frauen zeigen Gesicht

Im Rahmen der Interkulturellen Woche zeigen Frauen unterschiedlichster Migrations-Hintergründe Gesicht im Rahmen einer Kunstaktion der Malerin Mauga Houba-Hausherr und teilen ihre Geschichten.

Als Serap Gülers Vater mit 24 Jahren 1963 aus der Türkei kam, um hier in Deutschland Geld für seine Eltern und seine zurückgebliebene Familie zu verdienen, hatte er noch nie eine große Stadt gesehen. In einem kleinen Dorf am Schwarzen Meer packte er seine Taschen und besuchte Istanbul zur Durchreise zum ersten Mal. In Deutschland angekommen, sprach er weder die Sprache, noch kannte er die Kultur. Darum ging es aber auch nicht, sondern er wollte seiner Familie durch sein Engagement ein besseres Leben ermöglichen.

Wie der Vater der NRW-Integrationsstaatssekretärin, Serap Güler, haben sich viele Gastarbeiter in den 60er Jahren in Deutschland gefühlt. Wie sie erlebten aber auch kurz vor und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zugewanderte Osteuropäer ihren Umzug nach Deutschland. Genauso traf es Menschen aus Syrien, aus dem Irak, dem Libanon oder aus Pakistan, die im Rahmen der europäischen Flüchtlingskrise ins Land kamen. So lässt sich die Liste der Erfahrungsberichte – auch in Krefeld – immer weiter fortsetzen. Und doch sind es vor allem die Schicksale der Männer, die wir in den gesellschaftlichen Fokus nehmen. „Frauen werden in ihrer Stärke leider oft vergessen“, beschreibt Dr. Tagrid Yousef als Integrationsbeauftragte der Stadt Krefeld und ergänzt: „Dabei sind es häufig sie, die die Familie zusammenhalten, den Alltag für alle stemmen und Integration lebendig werden lassen. Diese Geschichten wollen wir ganz bewusst zum Auftakt der Interkulturellen Woche erzählen.“

Künstlerin Mauga porträtiert Frauen in riesigen Tuschezeichnungen

Dafür hat die Krefelder Künstlerin Mauga Houba-Hausherr in den vergangenen Monaten 30 Frauen mit internationalem Hintergrund und einer Verbindung zur Stadt Krefeld unter dem Motto „Frauen zeigen Gesicht“ porträtiert. Die Künstlerin möchte mit den reduzierten Tuscheporträts im Großformat die Stärke der individuellen Frauen transportieren. „Ich habe schon immer davon geträumt, so ein Projekt in meiner Stadt umzusetzen“, erklärt Mauga, die selbst polnische Wurzeln hat und für das Studium nach Deutschland kam. „Tusche habe ich bewusst gewählt. So sind Hautfarbe, Haarfarbe und Augenfarbe nur erahnbar. Wir als Frauen werden so zu einer Einheit.“ Die Bilder werden im Rahmen der Eröffnung der Interkulturellen Woche am 25. September voraussichtlich im Stadtbad gezeigt. Zur Ausstellung wurde gleichzeitig eine Begleitbroschüre erstellt, die in Form von Steckbriefen die individuellen Geschichten der Frauen erzählt. Nach der Interkulturellen Woche wünschen sich die Akteure eine Wanderausstellung. „Wir suchen noch nach Ausstellungsräumen“, beschreibt die Künstlerin und ergänzt lachend: „Meldungen bei uns sind ausdrücklich erwünscht!“

Auch Serap Güler als Integrationsstaatssekretärin NRW ließ sich für das Projekt zur Interkulturellen Woche zeichnen.
Auch Serap Güler als Integrationsstaatssekretärin NRW ließ sich für das Projekt zur Interkulturellen Woche zeichnen

Auch NRW-Integrationssekretärin Serap Güler zeigt Gesicht

Als starke Frau und Schirmherrin des Projektes hat sich auch Serap Güler als NRW-Integrationssekretärin bei ihrem Besuch in Krefeld Ende Juli von Mauga zeichnen lassen. Die 41-Jährige erzählte für die Begleitbroschüre ihre Geschichte. „Wir haben uns immer als deutsche Familie verstanden, und eine große Identitätsdebatte gab es zuhause nicht“, beschreibt sie. „Trotzdem habe ich mir natürlich im Teenageralter auch Fragen gestellt.“ Was sei türkisch an ihr, was sei deutsch – vor allem Kommentare von Mitschülern oder Außenstehenden beeinflussten Gülers Identität. „Heute weiß ich, dass sich niemand entscheiden muss“, beschreibt sie weiter. „Wir können uns das Beste aus jeder Kultur aussuchen.“

Im Rahmen des Steckbriefes werden die Frauen auch gefragt, welche Eigenschaften sie selbst an anderen Frauen stark finden, ob sie eine besondere weibliche Leitfigur besitzen und worauf sie auf ihrem eigenen bisherigen Weg stolz sind. Für Güler war, wie für viele Frauen des Projektes, in der Entwicklung des eigenen Bilds als Frau ihre Mutter eine wichtige Figur. „Sie hat sich von ihrem ersten Mann scheiden lassen und gemeinsam mit meinem Bruder, der aus erster Ehe stammt, nach einem neuen Weg gesucht“, erklärt sie. „Zur damaligen Zeit in einem kleinen Dorf in der Türkei war das ein starkes Zeichen. Sie brachte mir bei, dass wir als Frauen unabhängig sein müssen.“

Schon immer hat die Krefelder Künstlerin Mauga davon geträumt, in ihrer eigenen Stadt ein Kunstprojekt mit internationalen Frauen umzusetzen.
Schon immer hat die Krefelder Künstlerin Mauga davon geträumt, in ihrer eigenen Stadt ein Kunstprojekt mit internationalen Frauen umzusetzen

Nicht jede Frau erzählt ihre Geschichte

Ähnlich wie Güler hat jede Mitwirkende ihre ganz eigene Geschichte. Immer wieder wird dabei deutlich, wie wichtig es ist, eine gemeinsame Sprache zu sprechen, auf Menschen aus anderen Nationen zu zugehen und seine Wurzeln zu akzeptieren sowie auch die neuen Einflüsse anzunehmen. Es gibt aber auch Frauen, die sich dazu entschieden haben, sich ausschließlich zeichnen zu lassen und nicht im Rahmen eines Steckbriefes über ihre Geschichte zu äußern. „Viele dieser Frauen sind noch nicht lange in Deutschland und kommen aus Ländern, in denen es als Frau nicht erlaubt oder nicht gerne gesehen ist, sich zu äußern und die eigene Geschichte zu erzählen“, erklärt Tagrid Yousef. „Auch das ist in Ordnung, denn Frauen anzuerkennen bedeutet auch, ihre kulturellen, religiösen und biografischen Werte ernst zu nehmen.“


Die Ausstellung „Frauen zeigen Gesicht“ der Künstlerin Mauga Houba-Hausherr in Kooperation mit dem Fachbereich für Migration und Integration der Stadt Krefeld ist im Rahmen der Interkulturellen Woche vom 25. September bis 3. Oktober zu sehen. Ursprünglich ist die Veranstaltung im alten Stadtbad an der Gerberstraße geplant. Aufgrund der Sperrung des Stadtbades kann es zu einer Ortsverschiebung kommen. Wir bitten darum, sich diesbezüglich tagesaktuell zu informieren. Weitere Informationen zum Programm der Interkulturellen Woche findet ihr online auf: https://www.krefeld.de/