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... und sonst so? Kolumne

Was wollt ihr denn noch…? Susan Bradshaw

Ich war ja schon ein sehr lautes Kind, als ich auf die Welt gekommen bin… Das hat sich über Jahre hinweg nie geändert! Ich lasse andere Leute kaum zu Wort kommen und kann niemandem länger als zwei Minuten zuhören. Falle anderen gern ins Wort, wenn ich der Meinung bin, mich selbst kundtun zu müssen. Man kann mir sogar eine Makkaroni in den Mund stecken, und ich würde trotzdem hindurchreden. Das bin ich… Susan Bradshaw! Wenn Deutschland denkt, dass Désirée Nick die spitzeste Zunge der Nation ist, dann habt ihr mich noch nicht erlebt. Hier wird nichts verschönt oder in Watte gepackt.

Das wird natürlich nicht meine letzte Kolumne bleiben. Im Gegenteil… Ich habe lange auf diesen Moment gewartet, mich Krefeld mitteilen zu dürfen. Bei Facebook werde ich ja direkt immer gleich für 30 Tage gesperrt. Hier braucht man mich nur umzublättern, und schon bin ich still. Aber wenn ihr meine Worte lest, werden sie sich einbrennen wie das Bild von einem nackten Mann mit einem Huhn auf dem Arm. Ich bin wie eine Geschlechtskrankheit aus den 70er Jahren. Hat man mich einmal, bekommt man mich immer. Ob man will oder nicht.

A propos, Geschlechtskrankheit… Was ist eigentlich mit der LGBTQID-Community in unserer bunten Stadt geworden? Unabhängig davon, ob wir derzeit in einer schwierigen Lage aufgrund von Corona leben müssen, hätte man den angehenden CSD Krefeld doch verschieben können, oder? Anstatt sich peinlich auf ein Fahrrad zu setzen und klingelnd durch die Stadt zu fahren wie die Grünen und JuSo-Kinder? Ich bin ja generell der Meinung, dass Krefeld gar keinen CSD nötig hat. Das haben doch auch nur die Leute ins Leben gerufen, die von Karneval nie genug bekommen.

Bei denen geht es sich nicht um den Kampf für die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Liebe, sondern um Alkohol- und Drogenkonsum mit einer Federboa um den Hals. Und davon distanziere ich mich!

Ich bin bunt, ich bin laut, ich bin schrill… aber ich bin keiner von denen, die 365 Tage im Jahr Karneval feiern wollen. Ich setze hiermit ein Statement als wohl öffentlichste Drag-Queen in unserer bunten, toleranten Stadt: Warum geben wir das Geld denn nicht anderweitig aus? Wir können doch nicht für etwas Geld ausgeben, was erstens keinen Anklang findet und zweitens nicht gebraucht wird. Ich persönlich, als bunter Vogel der Gesellschaft, hatte bis zum heutigen Tage noch kein einziges Problem fernab unserer Regenbogencommunity. Und ich sage euch auch, warum: Weil ich mich als Teil der Gesellschaft begreife. Ich bin mit all dem zufrieden, was ich habe. Ich bin tolerant und akzeptiere jeden in meiner Gesellschaft, der sich nicht strafbar macht und sich nicht dem Grundgesetz unseres Landes widersetzt.

Meine Community beinhaltet jeden Menschen – egal welcher Herkunft, Religion oder sexuellen Neigung. Die Regenbogencommunity darf sich nicht von der „normalen Gesellschaft“ distanzieren. Wir wollen Anerkennung? Dann Jungs, Mädels, Trans etc. nehmt euch endlich einen Löffel und fresst den Einheitsbrei, der euch geboten wird. Wie viel Rechte wollt ihr denn noch? Es gab natürlich eine Zeit, da mussten Menschen wie ich auf die Straße gehen, um für Akzeptanz und Toleranz zu kämpfen. Aber die Zeiten sind vorbei. Wir dürfen öffentlich das sein, was wir möchten.

Und wenn du morgen ein Einhorn bist, mit Federn behangen, dann darfst du ein Einhorn mit Federn sein. Dank unserer Brüder und Schwestern des Stonewall-Aufstands und aller, die danach weiter gekämpft haben für unser heutiges Recht, lieben zu dürfen, wen wir wollen.

So be as gay as possible…

Eure Susan Bradshaw

P.S.: Und, hast du immer noch das Bild von dem nackten Mann mit dem Huhn auf dem Arm vor Augen?