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Raus ins Grüne – Krefelds schönste Spazierwege

Ehe die Urlaubszeit wieder vorbei ist, bietet es sich an, den Sommer auch mal für die Erkundung der eigenen Heimat zu nutzen. Zum Beispiel „per pedes“ durch Krefelds schönste Landschaften, um mal so richtig Niederrhein zu tanken. Drei Redakteure teilen ihre Spaziertipps für einen Ausflug ins Grüne:

Niederrhein-Romantik zwischen Linn und Gellep

Dass der Stadtteil Linn mit seinem malerischen Burgpark ein beliebtes Ziel für Spaziergänger ist, ist längst kein Geheimtipp mehr – wie weit und wunderschön sich allerdinge die Landschaft Richtung Gellep-Stratum hinter Haus Greiffenhorst erstreckt, wissen wiederum wenige, die nicht dort wohnen. Die perfekte Strecke für alle, die es ruhig und weitläufig mögen. Circa 1,5 Stunden sollte man einplanen, los geht es am Mühlenhof, einer historische Korn- und Ölmühle, die im 19. Jahrhundert von Isaak de Greiff zur Hofanlage ausgebaut wurde und heute einen Reitstall sowie ein Café beherbergt. Von hier aus folgt man der gleichnamigen Straße zuerst einmal entlang des Stadtgrabens, in dem sich je nach Jahreszeit viele Enten, Frösche und diverse Kleintiere aufhalten. Die Straße verläuft wie ein „S“, ehe sie linker Hand auf den Eltweg stößt.

Auf dem Eltweg wird das Gelände langsam lichter – ist die schmale Straße auf einer Seite weiterhin von Bäumen und Büschen gesäumt, erstreckt sich zur Rechten die Weite unzähliger Felder – Getreide, Rüben, Raps – typisch Niederrhein. Hier hat der Blick viele hundert Meter Platz zum Schweifen. Vorbei am 1930 gegründeten Krefelder Golfclub e.V. zweigt zur Linken nach knapp anderthalb Kilometern die Heulesheimer Straße ab, weiter hinein in die Felder, mit am Horizont sind schon die Dächer und Schornsteine des Rheinhafens zu sehen. Der Weg führt vorbei an einem und einige hundert Meter weiter an einem zweiten Hof. Wer hier links abbiegt, wandert zwischen den großen Gebäudekomplexen des landwirtschaftlichen Betriebs hindurch auf einen kleinen Wald zu. Der Weg ist hier nicht mehr asphaltiert und wird bisweilen etwas matschig. Er führt wie ein grüner Tunnel zwischen den Bäumen hindurch, am rückwärtigen Teil des Golfgeländes entlang. Hier ist es ganz still – je nach Tageszeit dringt orange-goldenes Zwielicht durch die Blätter, was dem Ort etwas Verwunschenes verleiht.

Der Weg endet an der Straße (In der Elt), beinahe am Haus Greiffenhorst, das einst dem Krefelder Seidenfabrikanten Cornelius de Greiff als Jagdschlösschen diente. Hierzu muss nur der Linner Mühlenbach überquert werden. Sobald das klassizistische Schmuckstück ausgiebig bestaunt wurde, geht es entlang am Mühlenbach, bis zurück zum Startpunkt am Mühlenhofcafé. Und wer noch fit ist, kann ja zum krönenden Abschluss noch einen Abstecher um die Burg machen. _von Esther Jansen

Das Fischelner Bruch – Krefelds grüner Süden

Fischeln, der südlichste Krefelder Stadtteil ist an drei Seiten von Grün umgeben. Nur im Norden geht er fast nahtlos in den dicht bebauten Kernbereich Krefelds über. An der Ostseite Fischelns verläuft die – auch als K-Bahn bekannte – Stadtbahnlinie U76, die Krefeld mit Düsseldorf verbindet. Die K-Bahn markiert hier auch weitgehend die Grenze von bebautem Gebiet und offenem Land. Daher eignen sich die Haltestellen „Fischeln“ und „Grundend“ (an denen es auch Park-and-Ride-Plätze gibt) hervorragend als Ausgangspunkte für ausgedehnte Spaziergänge durch das Fischelner Bruch. Das Landschaftsschutzgebiet reicht von Fischeln aus nördlich bis zur Oppumer Donksiedlung, im Osten bis Meerbusch-Bösinghoven. Dazu wird das Grüngebiet durch die Autobahnen 57 und 44 begrenzt.

Die Bruchlandschaft bietet Radfahrer:innen und Spaziergänger:innen ein abwechslungsreiches Landschaftsbild, in dem sich Felder und Wiesen mit kleinen Waldstücken abwechseln. An vielen Stellen stehen Pferde auf der Weide. Es gibt auch eine Hundeschule und einen Modellflugplatz. Auf den teilweise naturnahen Wegen passiert man ab und zu einen Bauernhof oder ein Gewächshaus. Besonders erholsam für betongestresste Großstädter ist die luftige Weite der niederrheinischen Landschaft. Immer wieder ergeben sich neue Perspektiven – zum Beispiel auf den Linner Rheinhafen, Bahnlinien oder markante Gebäude in den angrenzenden Stadtteilen. Zu Fuß hat man das Fischelner Bruch bequem in einer Stunde durchquert. Für den Snack danach bietet sich der Biergarten des Restaurants „U76“ direkt an der Bahnstation Fischeln an. _von Michael Otterbein

Fischelner Bruch


Rund um den Campus Fichtenhain

Wie der Osten grenzt auch die Westseite Fischelns an landwirtschaftlich genutzte Flächen, die dort allerdings von Gewerbegebieten begrenzt sind. Trotzdem bietet sich auch das Terrain zwischen Fischeln und Fichtenhain für Spaziergänge an. Als Ausgangspunkt für eine Erkundung des Gebiets eignet sich der Campus Fichtenhain, den man von der Anrather Straße über die baumbeschattete Fichtenhainer Allee erreicht. Die gründerzeitlichen Ziegelbauten des heutigen Firmencampus waren 1905 für die „Rheinische Provinzial-Fürsorgeerziehungsanstalt für schwer erziehbare Knaben“ errichtet worden. Das Gelände wurde 1997 von der Stadt Krefeld erworben – und in seinem großzügig durchgrünten Charakter erhalten.

Vom Campus-Parkplatz aus spaziert man auf verschiedenen Wegen durch ein weitläufiges Landwirtschaftsgebiet. Dabei hat man die Möglichkeit auf halbem Weg nach Fischeln links auf den Hanninxweg Richtung Anrather Straße abzubiegen, oder weiter geradeaus über den Kütterweg bis zur Willicher Straße zu gehen. Parallel zur Anrather Straße führt ein Feldweg zu einem Wäldchen, das vom Feld aus über kleine Durchlässe zugänglich ist, und an dessen Rand sich ein kleiner Friedhof befindet. Durch den Wald gelangt man wieder auf die Fichtenhainer Allee, ohne an der stark befahrenen Anrather Straße entlang gehen zu müssen. Von Allee und Campus Richtung Westen führen mehrere Wege in das Gewerbegebiet Europark Fichtenhain, das an der Verbindungsstraße von Krefeld nach Willich liegt – nahe dran die A44-Autobahnauffahrt Krefeld-Fichtenhain._von Michael Otterbein

Die Seele baumeln lassen im Naturschutzgebiet Egelsberg

Keine Sorge, man benötigt keine alpinen Expeditionserfahrungen, will man den Gipfel vom Egelsberg erklimmen. Grade mal 46 Meter ragt er über den Meeresspiegel und ist dennoch eine außergewöhnliche Erhöhung inmitten unserer flachen niederrheinischen Landschaft. Als Ergebnis der sogenannten Saale-Eiszeit ist er eine mit Schutt, Rheinsand und Kies überlagerte Grundmoräne. Nachdem die Briten bis in die 1990er dort militärische Übungen durchführten, ist das rund 72 Hektar große Gelände im Krefelder Norden am Rande des Stadtteils Traar heutzutage ein beliebtes Ziel für Spaziergänger, Radfahrer, Freizeitpiloten, Fotografen, Natur- und Insektenkundler und sogar für Hochzeitspaare.

Mit dem Auto oder Rad gelangt man über den Liesentorweg direkt zum Flugplatzgebäude, wo ein Parkplatz vorhanden und die rustikale Gaststätte mitsamt Kinderspielplatz ein beliebter Ausgangs- oder Rastpunkt ist. In der Flugsaison kann man hier die Starts und Landungen hautnah verfolgen. Eine weitere Zufahrt besteht über den Kirschkamperweg, wo sich Parkflächen entlang der Start- und Landebahnen befinden. Einen dritten Zugang bekommt man über den Luiter Weg, wo es einen unbefestigten Parkplatz für rund 30 Autos am Axel-Holst-Weg gibt. Für eine luftige Anreise mit dem eigenen Sportflugzeug oder Segelflieger stehen drei Bahnen zwischen 640 und 800 Meter Länge zur Verfügung. 1917 landete sogar der legändere „Rote Baron“, Rittmeister Manfred von Richthofen, auf dem Egelsberg.

Egelsberger Heidelandschaft

Persönlich genieße ich die Ruhe und als Hobbyfotograf die unzähligen Motive, die man grade im Wechsel der Jahreszeiten in der vielfältigen Landschaft entdecken kann. Dazu die weite Perspektive, die einen bis zum Horizont blicken lässt, wo weit entfernte Gebäude in Kamp-Lintfort erkennbar sind. Direkt angrenzend im nördlichen Bereich des Flugplatzes befindet sich das Heidelandschaft-Naturschutzgebiet. Im Herbst erstrahlt die Besenheide hier in voller violetter Blütenpracht. Andere reizvolle Motive bilden die zahlreichen knallig roten Mohnblüten, die stellenweise bis in den September ihren Zauber entfalten.

Im nördlichen Teil und Nordwest- sowie Ostrand dient dichtes Waldgebiet mit zum Teil 200 Jahre alten Rotbuchen vielen Tieren als Unterschlupf und Rückzugsgebiet. Hunderte Karnickelbauten durchlöchern vielerorts die kiesigen Böden. Nicht selten läuft ein Reh voraus und Schwärme von krächzenden Krähen kreuzen die Lüfte. Freunde der Botanik finden im sumpfigen Bereich am nördlichen kleinen See, der etwas versteckt hinter hohem Gras liegt, das selten und geschützte Froschkraut.

Auf der Wanderroute liegt auf dem eiszeitlichen Hügelwall ein besonderes Highlight: die Egelsberger Mühle. Das Mühlenbauwerk nahm bereits 1802 seinen Betrieb auf. Damals noch als Turmwindmühle, die in den Wind gedreht werden konnte. 1954 ging sie ins Eigentum der Stadt Krefeld über, und die Denkmalpflege behob die Schäden, die größtenteils durch Artilleriefeuer im Krieg verursacht worden waren. Heute ist sie ein wahres Glanzstück und erstrahlt weiß gestrichen und saniert mit neuem Dach und Flügeln bis in die Ferne. Um sie als Wahrzeichen Traars zu erhalten, hat der Bürgerverein Traar e.V. die Mühle angemietet. Wer sich traut, kann im Inneren sogar den Bund fürs Leben besiegeln, in einer einzigartigen Atmosphäre und mit einem spektakulären Blick über den Egelsberg. _von Peter Lengwenings