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Wann wird der Traum vom anderen Wohnen wahr? Das Projekt „Niepkuhler Krähennest“

Mit dem Niepkuhler Krähennest soll im familienfreundlichen Stadtteil Krefeld-Traar ein nachhaltiges und sozial ausgerichtetes Mehrgenerationenhaus entstehen.
Advertorial

Wohnen im Grünen, davon träumen viele. Erst recht in Krefelds guter Stube, in Traar, wo die sumpfige Landschaft rund um die Niepkuhlen mit saftigen Wiesen und verwunschenen Kopfweiden besonders malerisch und typisch niederrheinisch ist. Und trotzdem stadtnah. Doch Traar ist teuer und Bauland aus Naturschutzgründen rar. Eine kleine Gruppe visionärer Krefelder verfolgt mit langem Atem ein idealistisches Projekt, das dort eine Wohnmöglichkeit für viele eröffnet.

Sie nennen sich „Niepkuhler Krähennest“, passend zu Krefelds inoffiziellem Wappentier. Schon 2011 hatte der Oppumer Arzt Dr. Bernd Kaufmann die Idee zu einer Art Ökodorf, in dem eine Gruppe Gleichgesinnter gemeinschaftlich, naturnah und umweltbewusst leben könnte. Inzwischen, zehn Jahre später, ist aus dem Wunschtraum immer noch kein wirklich konkretes Ergebnis hervorgegangen. Die Hindernisse, Widerstände und Umwege waren und sind beträchtlich. Momentan verzögert auch noch Corona das Vorankommen.

Das Ehepaar Elisabeth Klein-Freibüter und Johannes Klein ist seit der Gründung der Initiative „Niepkuhler Krähennest“ 2014 aktiv in der Planung des Wohnprojekts. Johannes Klein, pensionierter Lehrer, begründet, warum: „Als wir anfangs in Krefeld in einer Mietwohnung wohnten, habe ich meinen Nachbarn genau einmal gesehen: als er stinkbesoffen nachts den Schlüssel nicht ins Schloss bekam. Sonst hatten wir keinen Kontakt. Seit dieser Zeit wünsche ich mir, dass man mit Leuten, mit denen man sich gut versteht, in einer wohlgesonnenen, aufmerksamen Nachbarschaft lebt.“ Gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth, die auch Lehrerin im Ruhestand ist, hat Johannes Klein sechs Kinder großgezogen. Die Eheleute sind daran gewöhnt, viele Menschen um sich zu haben. Elisabeth Klein-Freibüter betont, dass sie aber nicht ihr „leeres Nest“ wieder auffüllen möchte: „Es war nie geplant, dass unsere eigenen Kinder mit einziehen. Die sind alle aus dem Haus, und das ist auch gut so. Aber ich wünsche mir eine gute Nachbarschaft, in der man sich umeinander kümmert. Mal gemeinsam frühstückt oder abends beim Wein zusammensitzt, spontan, ohne große Umstände. Wichtig ist aber auch, dass man sich zurückziehen kann, wenn man das möchte.“

Mit dem Niepkuhler Krähennest soll im familienfreundlichen Stadtteil Krefeld-Traar ein nachhaltiges und sozial ausgerichtetes Mehrgenerationenhaus entstehen.

Generationenübergreifend

Unabhängig, aber trotzdem gemeinschaftlich: Für 20 bis 24 Parteien haben die „Krähen“, wie sich der zur Zeit aus fünf Mitgliedern bestehende harte Kern der Genossenschaft nennt, das „Niepkuhler Krähennest“ geplant – gemeinsam mit einem Architekten und einem Berater für Mehrgenerationenprojekte. In zwei Abschnitten soll gebaut werden, zuerst ein zweieinhalbgeschossiges Gebäude in U-Form, dann je nach Nachfrage ein weiteres Haus in S-Form. Das Haus wird komplett barrierefrei sein. Und ansonsten familienfreundlich, mit kleinen Gärten, Terrassen, Balkonen und einem Spielplatz. „Hier sollen alle Generationen unter einem Dach wohnen: Senioren, Singles, Paare, Familien mit Kindern, Alleinerziehende, die hier durch die Nachbarschaft Unterstützung und kindgerechte Strukturen finden. Außerdem werden wir einige Wohneinheiten für Menschen mit Behinderung einrichten,“ schildert Johannes Klein das Konzept. Haus- und Gartenarbeit, gelegentliche Kinderbetreuung, Einkaufs- und Besorgungstouren, gemeinschaftlich organisierte Feste – willkommen sei, so Klein, wer „zu solchen Formen der Unterstützung bereit ist, nicht als unbedingte Pflicht, aber auf Dauer sollte man sich nicht heraushalten. Nach dem Motto: Wir sind alle in einem Boot, und alle haben ihren Anteil daran zu leisten, dass das Boot auf Fahrt bleibt.“

Genossenschaftlich

Es gibt viele, die Interesse am „Niepkuhler Krähennest“ haben. Denn durch die Planung des Projekts als Eigentümergenossenschaft in Kombination mit Erbbaupacht ist es auch für Menschen mit geringerem Einkommen erschwinglich. Sogar für Menschen mit Wohnberechtigungsschein sind einige Einheiten geplant. Johannes Klein ergänzt: „Zudem bleibt man im Krähennest von steigenden Mietpreisen verschont. Die Miete wird mit dem Abschmelzen der Darlehenslast auf lange Sicht sogar sinken.“ Doch dann seufzt er: „Es sind aber viele auch wieder abgesprungen oder unentschlossen. Gerade junge Familien brauchen meist schnell Wohnraum. Sie können nicht warten, bis sie vielleicht – hoffentlich – 2024 oder 2025 einziehen können.“

Mit dem Niepkuhler Krähennest soll im familienfreundlichen Stadtteil Krefeld-Traar ein nachhaltiges und sozial ausgerichtetes Mehrgenerationenhaus entstehen.

Grün

Das „Niepkuhler Krähennest“ ist explizit ökologisch und nachhaltig geplant – energieneutral dank Solarenergie, in Holzständerbauweise und mit ressourcenschonenden Baustoffen, dazu mit einem Carsharing-Mobilitätskonzept. Dennoch ist es unter anderem auch der Umweltschutz, der die Genehmigung und Umsetzung in die Länge zieht. Seit geraumer Zeit wird geprüft, ob geschützte Arten auf dem Grundstück vorkommen. Auch der Traum, im umliegenden Gelände selbst Biolebensmittel anzubauen und artgerecht Tiere zu halten, wird mit viel Geduld angegangen.

Geduldig

Zusätzlich haben sich durch Corona einige wichtige Entscheidungen verzögert. Johannes Klein hofft, dass nun im Juni bei einer Stadtratssitzung über die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens entschieden wird. Für ihn und seine Frau tickt allmählich die Uhr. Der umtriebige Ruheständler bedauert: „Wir dachten eigentlich, dass wir mit ungefähr 70 einziehen würden. Optimistisch, wie wir waren, haben wir vor einem Jahr unser Haus an unsere Kinder weitergegeben. “ Für ihn und seine Frau sei das Warten schon eine harte Geduldsprobe. Trotzdem bleibt das Ehepaar optimistisch. „Unser Projektberater hat schon mehrere solcher Mehrgenerationenlösungen realisiert. Und der sagt, dass wir immer noch gut in der Zeit liegen“, sagt Klein und fügt lachend hinzu: „Es ist anstrengend. Aber ich glaube daran: Wir werden das umsetzen. Und spätestens meinen nächsten runden Geburtstag werde ich im Gemeinschaftsraum im Krähennest feiern!“

Weitere Informationen zum Niepkuhler Krähennest unter www.n-kn.de