kultur

Entwicklung und Anspruch der Mediothek Lesen als Schlüssel zum eigenständigen Leben

Mediotheksleiterin Evelyn Buchholtz und der Vorstand der Freunde und Förderer der Mediothek erklären den Wert des Lesens und wie sie dabei helfen, ihn zu erhalten.
Advertorial

Ordentlich stehen die Bücher in den Regalen sortiert. Kein Mucks ist zu hören, die Emporen sind leer, im Minutentakt aber lugen geschäftige Krefelder durch die großen Glastüren und versuchen, ob sie sich öffnen lassen. Montags liegt die Mediothek am Theaterplatz aufgrund der Sommeröffnungszeiten bei unserem Besuch im Dornröschenschlaf und wird erst dienstags von den Besuchern wieder wachgeküsst. Diese aber, so beschreibt Evelyn Buchholtz, seien schon lange nicht mehr nur auf der Suche nach dem nächsten spannenden Krimi, einem herzzerreißenden Liebesroman oder Sachliteratur für das anstehende Referat, sondern Stadtbüchereien würden heutzutage Menschen mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen anziehen. Die Mediotheksleiterin nutzt diesen freien Montag, um mit uns über die Wandlung der Büchereien von der reinen Bücherausleihe bis hin zum modernen Kommunikations-, Lern- und Veranstaltungsort zu sprechen.

Mediotheksleiterin Evelyn Buchholtz und der Vorstand der Freunde und Förderer der Mediothek erklären den Wert des Lesens und wie sie dabei helfen, ihn zu erhalten.
Mediotheksleiterin Evelyn Buchholtz

Als Buchholtz vor mehr als 20 Jahren ihren ersten Arbeitstag in der Krefelder Stadtbibliothek antrat, standen noch einige Schallplatten in den Regalen, und Videokassetten sowie Hörspiel-CDs waren stark gefragt. Damals gab es aber auch schon die ersten Computer-Arbeitsplätze. Denn, so weiß die Bibliothekarin, die Mediothek sei immer schon modern aufgestellt gewesen. „Die Akteure haben früh die Devise verfolgt, die aufkommende Digitalisierung nicht zu verdrängen, sondern sich ihr zu stellen“, erklärt sie. „So arbeiten wir bis heute. Es ist die einzige Möglichkeit, dass wir als Stadtbibliothek bestehen können.“

Damals wie heute bildet die Mediothek einen Querschnitt der Gesellschaft ab. Senioren, die meisten weiblich, kommen, um sich ein neues Buch fürs Schmökern im Garten auszuleihen. Familien mit Kindern stöbern durch die Regale und wählen, anders als früher, vielleicht die Tonie-Figur statt der Hörspiel-CD. Schüler schlendern durch die Gänge. Manche suchen nach neuem Lesestoff, die meisten aber nutzen die Arbeitsplätze, um in Ruhe zu schaffen. Und Lerngruppen treffen sich, um an den großen Tischen auf dem Sonnendeck die Köpfe zusammenzustecken. „Das Haus ist oft brechend voll“, erklärt Buchholtz. „Wir sind der einzige Ort in der Innenstadt, der frei zugänglich ist. Hier gibt es WLAN, hier gibt es Digitalwürfel, an denen der Handy-Akku aufgeladen werden kann, und hier gibt es immer freundliche Mitarbeitende, die sich auch nicht davor scheuen, den Weg zum nächsten Schuster oder Schneider zu erklären.“ 300 Sitzplätze bietet die Mediothek außerhalb der Pandemie an. Oft sei es im Alltag schwierig, so schildert die Leiterin, hier einen freien Platz zu erwischen. „Dabei sind wir wohl auch der einzige Raum, in dem alle unterschiedlichen Gruppen der Gesellschaft konfliktfrei nebeneinander bestehen“, schildert sie. „Manchmal glaube ich, dass wir hier ein Paralleluniversum bilden.“

Grund dafür sind vielleicht die tausenden Geschichten, Lebensweisheiten, Fakten und Alltagstipps, die sich in den Büchern, in den Gesellschafts- und digitalen Spielen, in den Filmen und Hörmedien verstecken. Ihre Präsenz schafft fast so etwas wie ein Schutzschild um die Räume der Stadtbücherei. „Als Bibliothekarin wünsche ich mir natürlich, dass jeder Mensch zu Hause eine Geschichtenecke hat und all diese Medien so wie ich liebt“, beschreibt Buchholtz lachend. „Unabhängig davon ist in diversen Studien bewiesen, wie wichtig das Lesen und Geschichten für die Entwicklung eines Menschen sind.“

Den Geschichten begegnen wir zum ersten Mal, wenn wir Glück haben, in jungen Kindheitstagen. Können wir noch nicht lesen, nimmt sich jemand Zeit, uns die Erzählungen vorzulesen. Als Kinder lernen wir so unser Umfeld kennen und tauchen auch in Welten ein, die uns ohne Medien verborgen bleiben würden. Lernen wir dann das eigenständige Lesen, halten wir den Schlüssel zum großen Universum der Informationen in den Händen. Lesen ist die Grundlage dafür, erfolgreich in der Schule zu sein, eigenständig an Informationen zu gelangen, aber auch Grundlagen wie zum Beispiel Bedienungsanleitungen oder die Anzeige am Fahrkartenautomaten zu verstehen. „Fakt ist aber, dass immer mehr Kinder heutzutage nicht mehr sinnverstehend lesen können“, erklärt die Expertin. „Wir gehen davon aus, dass rund 20 Prozent der Kinder in Deutschland kein ordentliches Leseverstehen besitzen.“ Bedeutet: Die Kinder können die Buchstaben zwar aneinanderreihen, sie schaffen es aber nicht, die Wörter in den Zusammenhang zu bringen und zu verstehen, was niedergeschrieben ist. „Damit geht der Schlüssel zur Bildung und zu einem eigenständigen Leben verloren“, so Buchholtz weiter. „Schaffen wir es, die jungen Leute in die Stadtbibliothek zu holen, schaffen wir es, sie an das Lesen heranzuführen.“

Und dafür, so schließt sich der Kreis, seien heutzutage eben nicht nur Bücher, sondern auch innovative Veranstaltungen, Begegnungsräume mit digitalen Arbeitsplätzen und Möglichkeiten und der Zugang zu Medien über das Buch hinaus, wie zum Beispiel auch Spielekonsolen oder Tonies, notwendig. Erst in der Coronapandemie ist auf diesem Weg durch die Bundesförderung „Neustart Kultur“ auch ein eigener Zugang zum Streamingportal „filmfriend“ entstanden. Seit kurzem bekommt jedes Mediotheksmitglied diesen kostenfrei zur Mitgliedschaft dazu. Hier können anspruchsvollere Serien und Filme für jede Adressatengruppe abgerufen werden. „Es geht immer darum“, schließt die Mediotheksleiterin ab, „Menschen für Geschichten zu begeistern.“

Eine Mitgliedschaft für Kinder und Jugendliche ist kostenfrei. Erwachsene bezahlen 23 Euro für eine Jahresmitgliedschaft. Weitere Information auf www.mediothek-krefeld.de.

Fünf Fragen an die Freunde und Förderer der Mediothek Krefeld e.V.

Seit dem Jahr 1989 setzt sich der Förderverein der Mediothek für eine Kultur des Lesens und Lernens ein. Der Vorstand, vertreten durch Peter Lengwenings, erklärt, wie das geht.

Mediotheksleiterin Evelyn Buchholtz und der Vorstand der Freunde und Förderer der Mediothek erklären den Wert des Lesens und wie sie dabei helfen, ihn zu erhalten.

Wofür sind die Freunde und Förderer der Mediothek da?

Vor einigen Jahren haben wir mit der Kampagne „Buchspenden kann Lesen retten“ genau gezeigt, was uns wichtig ist: Nicht lesen zu können, ist für uns gleichbedeutend mit einem Ausschluss aus dem sozialen Leben. Durch die Gewinnung von weiteren Sponsoren und Freunden können wir eine höhere Sichtbarkeit in der öffentlichen Wahrnehmung erreichen. Dafür pflegen wir Kontakte zu Unternehmen, zur Politik und zu Spendern. Unsere finanziellen Mittel sind dafür da, die Mediothek in ihrem täglichen Auftrag zu unterstützen. Gelder vom Bund haben oft langen Vorlauf – wir können kurzfristiger helfen. Außerdem helfen wir bei Veranstaltungen.

Welche Projekte haben Sie in den letzten Jahren besonders geprägt?

Unsere Veranstaltung „Literatur im Club“ ist ein Dauerbrenner. Viermal im Jahr laden wir – außerhalb von Corona – zu einem Literaturabend in den Clubleseraum der Mediothek ein. Auch die jährliche Fahrt zur Frankfurter Buchmesse hat sich inzwischen etabliert. Stolz sind wir auch auf die regelmäßigen Flohmärkte, die von uns als Verein organisiert werden. Wenn wir auf einzelne Aktionen schauen, müssen wir die Bilderbücher für die Krefelder Tafel nennen. Hier haben wir initiiert, dass im Rahmen der wöchentlichen Ausgabe der Tafel Kinderbilderbücher verteilt wurden. So konnte an niederschwelliger Stelle ein Zugang zu Literatur geschaffen werden.

Viele der Aktionen finden in Kooperation statt. Warum ist das für Ihre Arbeit so wichtig?

Elementar geht es immer darum, Ressourcen zu nutzen. In Krefeld haben wir eine bemerkenswerte Vereinsstruktur und viele Menschen, die sich engagieren. Schließen wir uns zusammen, nutzen wir uns gegenseitig für unsere Anliegen als Multiplikatoren. So schaffen wir es, gemeinsam noch mehr Menschen für unsere Themen zu sensibilisieren.

Warum tut das Lesen jedem Menschen gut? Warum braucht jeder Mensch Geschichten?

Ich habe eine Cousine, die zwölf Jahre älter ist als ich. Sie hat mir damals als Kind vorgelesen, und noch heute merke ich, dass all die Geschichten, die sie erzählt hat, in mir lebendig sind. Ich kann mich an viele davon noch heute erinnern. Geschichten helfen uns, zur Ruhe zu kommen, sie lehren und bereichern uns.

Warum sollten unsere Leser Mitglied in Ihrem Verein werden?

Schon mit nur 30 Euro im Jahr können Sie Großes leisten, denn jeder kleine Betrag hilft, die großen Ziele des Vereins umzusetzen. Jedes Kind, das wir für das Lesen begeistern können, wird einen anderen Zugang zum Leben finden.

Informationen zur Mitgliedschaft und zu Aktionen der Freunde und Förderer der Mediothek Krefeld finden Sie online auf: www.mediotheksfreunde-krefeld.de