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kr.city – Streetwear From Wohnzimmer to Einzelhandel

Ideen sind ein flüchtiges Gut, und leider bleiben viele potenzialträchtige Einfälle reine Träumereien, die irgendwann wieder in den Untiefen unserer Hirnwindungen verschwinden. Michael Fedder und Vanessa Rödiger haben den Schritt gewagt, den nur wenige gehen, und aus einer „kleinen Spinnerei“ ein konkretes Projekt erwachsen lassen. Ihr Streetwear-Label kr.city kam überraschend – aber offenbar genau zur richtigen Zeit. Vor gut drei Jahren begann das Pärchen im eigenen Wohnzimmer mit der Produktion hochwertiger Kleidungsstücke mit lokalem Bezug. Nicht nur das gestalterische Portfolio ist seither gewachsen, sondern auch das gesamte Unternehmensumfeld der beiden. Vom Wohnzimmer wechselte der Verkauf letztes Jahr in einen Pop-up-Store an der Königstraße und von dort aus nur wenige Meter weiter in ein eigenes Ladenlokal inklusive Lagerraum, das diesen Juni Eröffnung feierte. Wir haben mit Michael und Vanessa über Heimatverbundenheit, Inspirationsquellen und das Potenzial von Gemeinschaft gesprochen.

Für alle, die kr.city noch nicht kennen: Beschreibt eure Marke in einem Satz.
M: Lokale Streetwear von Krefeldern für Krefelder.

Warum seid ihr in die Mode gegangen?
M: Ich habe lange in München und Köln gelebt, wo lokale Labels schon gang und gäbe sind. Ich fand‘s cool, dass der Support für diese kleinen Unternehmen dort so groß ist, auch wenn man das von so einer „Schickimicki-Stadt“ nicht denken würde. Das wollte ich gerne nach Krefeld bringen, denn so was gab’s noch nicht – und es scheint ganz gut angelaufen zu sein…

Beruflich seid ihr eigentlich im Einzelhandel beziehungsweise Eventmanagement und Grafikdesign tätig. Was sind eure jeweiligen Kompetenzen und wie nutzt ihr sie gewinnbringend für kr.city?
M: Ich glaube, meine größte Kompetenz ist Kommunikation. Ich stehe mit vielen Menschen in Kontakt und tausche mich gerne mit ihnen aus. Dadurch konnte ich für uns super wertvolle Mund-zu-Mund-Propaganda schaffen. Und organisatorische Sachen kann ich gut.
V: (lacht) Da ergänzen wir uns. Orga ist gar nicht meins. Ich bin bei unserem Label für den  kreativen Bereich zuständig und überlege mir, wie wir unsere losen Ideen final umsetzen.

Was ist eurer Meinung nach unerlässlich für eine gute Zusammenarbeit im Team?
M: Man sollte Aufgabenbereiche zwar aufteilen, darf sich aber nicht komplett aus dem Gebiet des anderen raushalten. Manchmal braucht es Input von außen, damit man weiterkommt. Wenn man sich schwierigen Fragen gemeinsam widmet, vermeidet man, dass etwas auf der Strecke bleibt.
V: Ein konstanter Austausch. Wir kommunizieren ständig über alles, was so ansteht. Man muss sich ergänzen und über die Gedanken des anderen auf dem Laufenden bleiben.

Der rote Faden eures Labels ist Krefeld in all ihren Facetten. Was inspiriert euch und woher zieht ihr konkrete Ideen?
M: Es gibt viele Sachen, die mir im Kopf rumschwirren, wenn ich an Krefeld denke. Beispielsweise die vier Bäume im Stadtwald, die einfach DER Treffpunkt nach UdU waren. Wir haben auf der Wiese bestimmt 70 Prozent unseres Sommers verbracht. Also sind die Bäume auf einem Shirt gelandet. Das Shirt mit dem Seidenweberhaus ist wiederum aus einem Gewinnspiel entstanden, zu dem unsere Community Ideen beisteuern konnte.
V: Ich bin ja gar keine Krefelderin, aber wenn Michi davon erzählt, habe ich das Gefühl, ich wäre dabei gewesen (lacht). Die Motive gehen uns auf jeden Fall nicht aus. Krefeld hat noch viele Ecken und Besonderheiten, die wir noch nicht aufgegriffen haben.
M: Man guckt natürlich auch auf coole Marken, die einem selber gefallen. Kleinere Skatelabels zum Beispiel. Wir bekommen auch Input über die Instagram-Seiten, denen wir folgen. Zuhause, bei uns in der Bude, haben wir eine „Wall“ gemacht, mit Motiven, Farben und Formen, die wir cool finden. Daran laufen wir täglich vorbei – so entwickeln sich Ideen. Und die lass ich dann mal entwerfen (lacht).
V: Ja, genau, so läuft das (lacht)! Auf dieser Wand kommt auch immer was Neues dazu. Den Designs, die wir cool finden, geben wir meistens noch ein wenig Zeit. Denn manchmal findet man etwas erst super, und nach drei Tagen merkt man: Das ist es noch nicht.

Am Ende produziert ihr natürlich nur die Designs, die euch am besten gefallen, aber: Habt ihr ein persönliches Lieblingsteil?
V: Ich feiere den neuen Hoodie! Das ist mein absoluter Favorit. Der passt auch noch nach 30 Mal waschen.
M: Bisschen underrated: Ich finde die Coach-Jacke, die wir gemacht haben, mega cool. Davon hatten wir nur ganz wenige. Die ist wasserfest und für das typische Krefelder Wetter einfach DIE Jacke.

Ein wichtiger Teil eurer Arbeit ist die Kommunikation mit eurer Community – vor allem über Social Media. Wie sind eure Erfahrungswerte in diesem Bereich und wie pflegt ihr euer Netzwerk?
V: Für uns war es von Anfang an wichtig, den Leuten das Gefühl zu geben, dass man eine Crew ist. Dass sie nicht bei uns etwas kaufen, um uns zu supporten, sondern dass es um ein Gruppengefühl geht – ein stärkeres lokales Bewusstsein für die Stadt. So hat sich tatsächlich eine Gemeinschaft entwickelt. Dazu kommt die Sprache, die wir benutzen. Wir treten als Menschen auf, dadurch kann man sich mit uns identifizieren. Wir bilden unsere Marke authentisch ab und versuchen nicht, etwas darzustellen.
M: Und wir legen Wert auf Kontinuität, auch wenn das Arbeit bedeutet. Wir haben gemerkt, dass es uns die Leute zurückzahlen, wenn wir am Start sind. Unsere Instagram-Follower verlinken uns super viel, dafür sharen wir die Beiträge aber auch in unseren Storys.
V: Genau, die Leute zeigen sich als Teil der eben schon erwähnten Community und präsentieren kr.city als Teil ihres persönlichen Lifestyles. Damit das so weitergeht, müssen wir dranbleiben und selbst immer Teil dieser Bewegung bleiben.

In zwei Jahren habt ihr viel erreicht – besonders in Anbetracht der Tatsache, dass das Label nicht euer Hauptberuf ist. Was sagt euer Umfeld zu eurem Wagemut?
M: Wir bekommen von Familie und Freunden viel Anerkennung. Jeder brennt natürlich dafür, sich zu verwirklichen. Dass uns das so gut gelungen ist, ist mega und wird auf jeden Fall honoriert!

Vanessa und Michael bringen Krefeld-Liebe in den Kleiderschrank

Das Projekt ist gefühlt mit jedem Monat gewachsen. Wie sieht es mit Zukunftsvisionen aus?
V: Wir fänden es cool, wenn kr.city auch über die Stadt hinauswächst. Dann wünschen wir uns natürlich, dass der Laden hier so gut anläuft, dass wir uns halten können. Nächstes Jahr möchten wir auch das ein oder andere Event starten. Und wir würden gerne einen kr.city-Podcast machen, auf der Couch, auf der wir hier gerade sitzen. Mit Menschen aus der Stadt, die sich auch lokal engagieren.
M: Es soll um Good News gehen. Schlechte Presse gibt’s genug. Der Podcast soll unterhalten, Menschen vernetzen. Es gibt mega viele Leute, die was zu sagen haben. Und die würden wir gerne zusammenpacken, sodass sich vielleicht noch mehr entwickeln kann.

Habt ihr manchmal Angst, dass die Leute irgendwann genug haben werden?
V: Das haben wir am Anfang gedacht. Aber ich glaube es inzwischen nicht mehr. Denn es geht gar nicht darum, ein Shirt zu besitzen, sondern um die Community, die sich darum entwickelt hat. Außerdem haben wir immer noch so viele Einfälle…

Was habt ihr aus der Entwicklung eures Projekts mitgenommen?
M: Man muss es einfach machen. Wenn man richtig Bock drauf hat und bereit ist, sich für seine Idee zu engagieren, kriegt man es auch hin, sie umzusetzen. Die meisten hier sind offen für Vorschläge und Projekte.
V: Einfach ausprobieren und geduldig sein. Manches klappt nicht direkt. Da darf man manchmal auch einfach nicht zu verbissen sein.

Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview wurde geführt von Esther Jansen

kr.city
Königstraße 30, 47798 Krefeld

Öffnungszeiten:
Fr 11-18 Uhr & Sa 10-18 Uhr