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Franziska Hauser macht sich mit einem Kaffee-Elektroroller selbstständig Mit Gudrun „op jöck“

Franziska Hauser (rechts), hier mit Freundin Lisa Littgen, ist mit Gudrun „op jöck“

Manchmal ist das Leben wie eine Schneekugel. In einem Moment ist noch alles an Ort und Stelle, und dann wird alles durcheinandergewirbelt. Der Unterschied ist nur, dass im wahren Leben danach meist nicht mehr alles an der alten Stelle ist. Was sich aber auch als Glücksfall entpuppen kann. So wie bei Franziska Hauser. Die Krefelderin kündigte 2019 ihren Job und ging auf Reise durch Italien und Neuseeland. Dann kam im März 2020 Corona und brachte Hausers Pläne durcheinander. Doch die lebenslustige Krefelderin nutze die Zeit, die sie in Neuseeland gestrandet war, um im Schneetreiben der Ungewissheit Kaffeeträume zum Businessplan zu machen.

Zugegeben, als die 31-Jährige ihren Job kündigte, hatte sie schon geplant, sich nach ihrer Reise selbstständig zu machen. Allerdings ging Franziska damals noch davon aus, dass ihre Reise ein Jahr dauern würde und nicht abrupt durch eine Pandemie beendet werden würde: „Ich saß dann auf einmal in Neuseeland fest und kam nicht zurück“, erinnert sich Hauser und fügt hinzu: „Das war schon eine komische, aber auch sehr intensive Zeit.“ Eben diese Zeit hat die Kaffeeliebhaberin aber dann genutzt, um an ihrer Idee einer mobilen Kaffeebar zu arbeiten. „Meine Reise hat mich nochmal darin bestärkt, meine Idee umzusetzen, vor allem auch, weil ich die Kaffeekultur in Neuseeland kennengelernt habe“, so Hauser. Kaffeekultur in Neuseeland? Mag für den einen oder anderen erst mal ungewöhnlich klingen, ist das Land doch nicht per se für seine Kaffeetradition bekannt. Die Krefelderin hat da aber ihre ganz eigenen Erfahrungen gemacht. „Egal wie weit weg ich von irgendeiner Stadt war, einen Foodtruck oder eine mobile Kaffeebar gab es überall und sogar mit veganen Produkten“, berichtet die Veganerin voller Begeisterung. Gerade Letzteres hat Hauser hier in Deutschland oftmals vermisst: „Ein Kännchen Kaffee mit Sahne gibt es an vielen Ausflugszielen, aber mit veganen Produkten wird es da schon schwieriger.“ Genau das möchte die Neugründerin ändern.

Franziska Hauser ist mit Gudrun „op jöck“
Franziska Hauser ist mit Gudrun „op jöck“

Hausers Idee: Eine mobile Kaffeebar mit veganen Produkten

Die Gastronomie ist für die Krefelderin, die vor ihrer Reise im Tanzhaus NRW gearbeitet hat, kein unbekanntes Pflaster. Lange hat sie im Liesgen gejobbt und von dort auch unglaublich viel mitgenommen, zum Beispiel „die Wertschätzung der Lebensmittel und die Liebe zur Gastronomie“.  Noch in Neuseeland wurde der Markenname „op jöck“ geboren: „Es passt einfach total. Es spiegelt aufgrund der Mundart meine Verbindung zu Krefeld wider und erklärt meine Tätigkeit: Unterwegs sein mit Gudrun“, erklärt sie. Gudrun ist im übrigen keine Verwandte von Franziska Hauser, sondern ihr Elektro-Roller, mit dem sie seit Februar in Krefelds Parks anzutreffen ist und Kaffee to go verkauft: „Nachdem ich so viel Zeit in die Suche nach einem passenden Gefährt investiert habe und dieses Gefährt mich ja immer begleitet, war schnell klar, dass es einen Namen braucht“, berichtet die 31-Jährige grinsend. Ihr Patenkind kam dann auf den Namen Gudrun.

Noch gut erinnert sich Franziska Hauser an dem Tag, als sie Gudrun im letzten Jahr von ihrem Hersteller in Würzburg abgeholt hat: „Direkt danach ging es weiter nach Berlin, denn dort wurde die Verkaufsbox installiert“, so Hauser. Dann hieß es erst mal warten und hoffen, dass am Ende alles so passt, wie sie es sich vorgestellt hat. Als der Elektro-Roller dann mit Verkaufsbox wieder in Krefeld ankam und auch die Kaffeemaschine da war, konnte Hauser ihr Glück kaum fassen: „Das war wie ein Puzzle, das Stück für Stück zusammengesetzt wurde.“ Über die Wintermonate machte sich die Krefelderin mit ihrem Elektro-Roller vertraut und probte an der Kaffeezubereitung. Aber auch der Blick hinter die Kulissen, beziehungsweise in diesem Fall unter Gudrun, brachte für die Selbstständige viele neue Erfahrungen mit sich: „Es ist wirklich Wahnsinn, was alles in diesem kleinen Gefährt untergebracht ist: Auf kleinstem Raum ist enorm viel Technik verbaut.“ Da sich die 31-Jährige möglichst autark bewegen möchte, kaufte sie eine Kaffeemaschine, die mit Gas bedient wird, anstatt mit Strom. Viele Tassen Kaffee gingen in die Nachbarschaft, damit die stolze neue Kaffeemobil-Besitzerin erste Erfahrungen sammeln konnte. Gudrun ist ihr dabei immer mehr ans Herz gewachsen: „Im Winter habe ich jeden Tag nach ihr geguckt, da ich mir Sorgen gemacht habe, dass es zu kalt sein könnte und Leitungen platzen. Es ist halt einfach mein Baby“, gesteht Hauser schmunzelnd.

Seit Februar ist die 31-Jährige jetzt mit Gudrun „op jöck“ und hat schon viele positive Erfahrungen sammeln können: „Die Nachfrage ist groß, und die Leute sind unglaublich dankbar, dass es etwas Neues in dieser doch eher tristen Zeit gibt. Für mich ist die Arbeit zudem auch ein Gute-Laune-Garant, was gerade in dieser Zeit sehr schön ist.“ Neben Kaffeegetränken gibt es auch Liesgens beliebte Zimtschnecken bei „Op Jöck“ zu kaufen. Die perfekte Kombination für eine süße Mittagspause. Und auch für die Zukunft hat Franziska Hauser noch einige Ideen parat. Es bleibt spannend, wohin sie ihre Kaffeeträume noch tragen werden.


www.kaffeeopjoeck.de