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Kultur

Hendrik van Amstel „Give a third“ für mehr Lebensmittelgerechtigkeit

Der jährlich ausgelobte Cannes Lions-Award ist der wichtigste Kreativpreis der Welt für Werbetreibende. Für angehende Designer zwischen 18 und 30 Jahren gibt es die junge Variante des Designpreises, den Young Lions Live Award. Der 22-jährige Hendrik van Amstel aus Bockum hat diesen „kleinen Oscar der Kreativbranche“ 2020 gewonnen, und zwar mit einer Idee, die den guten Zweck unterstützt.

Weniger verschwenden, mehr Menschen satt machen

Ein Drittel aller Lebensmittel wird verschwendet. Darauf macht das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (United World Food Program, UNWFP) aufmerksam. Auf der anderen Seite leiden 135 Millionen Menschen auf der Welt akut Hunger. In Partnerschaft mit dem UNWFP riefen die Cannes Lions deshalb in diesem Jahr zu kreativen Ideen auf, die dazu beitragen können, weniger Nahrungsmittel zu verschwenden und gleichzeitig zur Beseitigung des Hungers in der Welt beizutragen. Hendrik van Amstel, Bachelor-Student im Fach Design an der Hochschule Niederrhein und gleichzeitig Junior Art Director bei der Düsseldorfer Werbeagentur Havas, hat gemeinsam mit seinem Arbeitskollegen Daniel Azar eine Arbeit für das Rennen um den Young Lions Live Award eingereicht.

Die Idee: eine Geschirrserie, bei der ein Drittel der ursprünglichen Fläche sichtbar ausgeschnitten ist. Auf dem verbleibenden Rand der Teller und Schüsseln werden die Gäste ermutigt, für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen zu spenden. Restaurants können ihr Essen auf diesem Geschirrset servieren und gleichzeitig die Möglichkeit bieten, ein weiteres Drittel der Rechnung an das WFP der Vereinten Nationen zu spenden. Die Idee bekam den Namen „Give a third“, auf deutsch: „Gib ein Drittel“. „Wir wollten das Thema ohne erhobenen Zeigefinger angehen“, erklärt der Jungdesigner. „Denn ob wir hier zuhause unseren Teller leer essen oder nicht, ändert nichts Konkretes für die Menschen, die woanders Hunger leiden. Daher musste neben der aufmerksamkeitsstarken Form auch ein konkreter Spendenaufruf auf das Geschirr.“

Schnell gute Ideen liefern

Nur knapp zwei Wochen Zeit hatten die Designer, um eine passende Idee zu finden. „Das alles so schnell auf ein hohes Qualitätslevel zu heben, war die größte Herausforderung“, sagt Hendrik, „zumal wir das ja alles neben unserem normalen Tagesgeschäft in der Agentur gemacht haben.“ Zudem mussten die kreativen Ideen in einer sowieso herausfordernden Zeit, nämlich im ersten Corona-Lockdown im Frühjahr, in Reinform gebracht werden. So saß der Kreativkopf in seiner WG in Bockum im Home-Office und machte sich Gedanken, wie man hungernden Menschen helfen kann.

Auf zum Cannes Kreativ-Festival

In seinem Wettbewerbsbeitrag legte der Bockumer Student das Möbelhaus IKEA mit seinen Restaurants als möglichen Nutzer an. Gespräche über eine tatsächliche Umsetzung der bisher rein fiktionalen Idee laufen bereits. „Natürlich wären wir glücklich, wenn wir so einen großen Partner für unsere Idee und für den guten Zweck gewinnen könnten, und wir wünschen uns, dass die Teller tatsächlich so produziert werden,“ sagt Hendrik van Amstel. „Aber fix ist da bislang noch nichts.“ Fix ist allerdings, dass der Jungdesigner und sein Kollege als Gewinner des Awards zum Cannes Lions International Festival of Creativity nach Südfrankreich eingeladen sind. Aufgrund der Corona-Pandemie soll das Event erst 2021 stattfinden. Dort dabei zu sein, ist für van Amstel eine große Ehre. „Da trifft sich das Who is Who der Designbranche. Es gibt Vorträge, Fachpanels, und man kann auf globaler Ebene netzwerken.“

Jurymitglied bei „Zeit Leo“

Und noch eine weitere Reise hat der Award-Gewinn dem 22-Jährigen beschert: Er wurde zu einem von fünf Jurymitgliedern des Weltretter-Wettbewerbs des Kindermagazins „Zeit Leo“ berufen. Dieser richtet sich an Schüler der Klassen eins bis sechs und wird im kommenden Jahr in Hamburg verliehen. Hendrik wird mit über die Gewinner entscheiden. Damit beweist er einmal mehr, dass er sich längst von einem jungen Krefelder Studenten zu einem gefragten Designer entwickelt hat, von dem wir sicher auch in Zukunft noch viel hören und sehen werden.