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Straßen und ihre Geschichten Der Beginenweg in Hüls

Es ist eine unscheinbare Sackgasse, die an die St. Huberter Landstraße grenzt, kurz bevor diese die Tönisberger Straße in Hüls kreuzt. In unserer neuen kredo-Reihe „Straßen und ihre Geschichten“ begeben wir uns auf eine Zeitreise durch die Straßenzüge der Seidenstadt. Woher stammen die Straßennamen? Wer hat hier früher gelebt und das Viertel geprägt? Und lässt die Geschichte Rückschlüsse auf die Kultur in den unterschiedlichen Stadtteilen zu?
Wir starten unsere Reihe mit dem Beginenweg in Krefeld-Hüls.

Zurück ins 14. Jahrhundert: Geldolf von Hüls

Die Geschichte des Beginenweg beginnt zu Lebzeiten von Geldolf (II) von Hüls, der im 14. Jahrhundert geboren wurde. Damals soll es im Hülser Bruch, nahe dem Freibad, eine erste Hülser Burg gegeben haben. In unmittelbarer Nachbarschaft zu dem hochherrschaftlichen Gebäude entstand an einer Trockenrinne eine kleine Ansiedlung von Höfen. Um 1500 standen hier rund 80 Gebäude. Die meisten wurden aus Lehm und Balken als Fachwerkhäuser gebaut und anschließend mit Stroh bedeckt.  Geldolf (II) von Hüls taucht mit namentlicher Nennung erstmals 1363 mit seiner Gemahlin Jutta von Rode, die zu Haus Rath bei Krefeld-Elfrath gehörte, in den Büchern auf. Bekannt ist, dass der Ritter noch einen Bruder mit den Namen Matthias hatte. Schon damals trugen die Hülser Herren das Wappen mit einem roten, stängellosen Seerosenblatt mit Stolz.

Gertrud von Limburg und Odilia von Goch bringen die Beginen nach Krefeld

Im Jahr 1398 erreichten Gertrud von Limburg und Odilia von Goch das Hülser Territorium. Beide Frauen gehörten damals den Beginen an. Die Beginen sind Jungfrauen und Witwen, die sich aus religiösen und wirtschaftlichen Gründen zu klosterähnlichen Gemeinschaften zusammengeschlossen hatten, allerdings kein Ordensgelübde leisteten. Geldolf (II) von Hüls schenkte den Frauen ein Grundstück, um hier eine Klausur, in Mundart „Kluus“ genannt, zu errichten. Dem Rektor der Hülser Pfarre wurde daraufhin erlaubt, auf die Frauen zu achten: Er nahm ihnen die Beichte ab und begleitete ihren Alltag. Auch ein Übergang zur Pfarrkirche wurde gebaut. So konnten die Schwestern, ohne die Straße überqueren zu müssen, am Gottesdienst der Pfarrkirche teilnehmen. Es wird erzählt, dass sich die Schwestern Alleinstehenden widmeten, die teilweise mit ihrem Tod ihr Hab und Gut an die Beginen vererbten. Einnahmen erzielte die Gemeinschaft darüber hinaus durch die Verarbeitung von Flachs und Schafswolle.  

Eine weitere Gemeinschaft entsteht in Hüls

1417 setzte Geldolf (III) von Hüls Stauten für ein weiteres Beginenkloster fest, das um 1420 als „Cäcilien-Konvent“ erbaut wurde. Jetzt gab es in Hüls zwei Frauen-Klöster, die gemeinsam ein großes Vermögen aufbauten. Es gibt Belege darüber, dass zum Beispiel Stine Heilweghs ihren Grundbesitz an die Frauen übertrug. So kam der Haagsche Hof in Kapellen in den Besitz der Beginen. Auch der Hülser Ritter Geldolf vermachte ihnen einen Garten hinter dem Konvent. Zur gleichen Zeit, im Jahr 1427, sollen rund 20 Schwestern hier gelebt haben; sie waren ein fester Bestandteil der Stadt. Im Jahr 1513 liehen sie der Herrlichkeit Krefeld sogar ein größeres Kapital von rund 150 Goldgulden, das Krefeld mit jährlich fünf Prozent verzinsen musste.

Die ehemalige Klausur befindet sich heute im Privatbesitz

Heute erinnert neben dem Beginweg die Hülser Klausur an die besondere Frauengemeinschaft. Durch einen Torbogen zugänglich, erreichen Neugierige hinter der St. Cyriakus-Kirche eine schöne Wohnanlage mit kleinen, bunten Gärten. Das Gelände befindet sich in Privatbesitz, und weil im Laufe der Jahre immer mehr Touristen das Kulturdenkmal aufsuchten, weist ein Schild darauf hin, die Privatsphäre der Bewohner zu achten.

Heute sind wieder Beginen in Deutschland aktiv

Beginen gibt es noch immer in Deutschland. Unter dem Dachverband der Beginen formiert, erklären sie: „Die heutigen Beginen fühlen sich der gesellschaftlichen Gleichstellung von Frauen, der Gewaltfreiheit, dem schonenden Umgang mit der Natur und den Ressourcen unseres Planeten verpflichtet. Sie unterstützen sich gegenseitig und nutzen die Unterschiedlichkeit der Frauen für die individuelle Weiterentwicklung und die der Gemeinschaft.“ Die Beginenbewegung war nach dem Mittelalter lange in Vergessenheit geraten, und so blickt auch der Dachverband auf eine junge Geschichte zurück: Erst 2004 wurde er in Kassel gegründet. Heute wieder leben die Beginen auf Höfen oder in Initiativen zusammen oder widmen sich durch individuelle Projekte ihrer Vision. 17 lebendige Höfe gehören zum Dachverband, viele davon sind in Nordrhein-Westfalen. In Essen, in Bochum, in Düsseldorf, in Dortmund, in Unna oder in Köln gibt es zum Beispiel Projekte.
Noch immer haben die Beginen aber auch eine Verbindung nach Krefeld: In Oppum soll sich 2010 eine kleine Beginen-Wohngemeinschaft mit zwei Frauen gegründet haben.