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Anna Optenplatz Ein Teil des Inhaberduos vom Café Liesgen

Zwischen rustikalen Backsteinwänden mit abstrakten Werken einer Bonner Kunststudentin und inmitten stilsicher positioniertem alten Mobiliar aus Holz duftet es nach Zimt und Sternanis. Mit einem hausgemachten Apfelpunsch und einer ofenfrischen Zimtschnecke mit Kardamon auf einem Porzellanteller mit Blümchendekor erwartet mich, kurz vor dem erneuten Corona-Lockdown, Anna Optenplatz, eine der beiden sympathischen Inhaberinnen des Cafés Liesgen. Seit sieben Jahren ist das vegetarische Vintage-Lokal an der Wiedenhofstraße ihr berufliches Zuhause und persönlicher Seelenort.

Gemeinsam mit ihrer damaligen Studienkollegin und besten Freundin Kathrin Helbig, die sie liebevoll „Käthe“ nennt, hat die heute 37-jährige Krefelderin ihren Lebenstraum verwirklicht. Aus den Jungunternehmerinnen von damals sind erfolgreiche Geschäftsfrauen geworden, denen immer noch jeden Tag die Liebe zu kreativen Kuchenrezepten, frischen Frühstücksvarianten und glücklich machenden Getränken anzumerken ist. Darüber hinaus frönen die diplomierten Produktdesignerinnen ihrem Faible für Kunst, indem sie die rauen Backsteinwände ihres zweigeschossigen, verwinkelten Cafés alle paar Monate mit neuen Gemälden, Druckgrafiken, Zeichnungen oder Fotos schmücken.

In jedem Detail des Cafés liegt ein Stück von uns selbst“, erzählt Anna und hat damit gerade, vielleicht unbewusst, das Alleinstellungsmerkmal vom Liesgen beschrieben. Diese Individualität zeigt sich nicht nur in den süßen und herzhaften Rezepten, sondern auch in der Innenarchitektur fernab moderner Systemgastronomie. Sorgsam ausgesuchte Accessoires von Trödelmärkten auf Tischen und in Nischen schaffen eine französisch anmutende Wohnzimmeratmosphäre. Trödelmärkte sind übrigens noch eine Leidenschaft der zierlichen Enddreißigern, die schmunzelnd zugibt: „Ich bin quasi auf Flohmärkten groß geworden und liebe sie bis heute. Mein erstes gesprochenes Wort war ,Schlotemine‘, was soviel wie ,Flohmarkttermine‘ heißen sollte.“

Yoga und Spaziergänge als Gegenpol zum wuseligen Café-Alltag
Vielleicht waren es die verschiedenen Berufe ihres Vaters, der unter anderem als Küster, Schreiner und Möbelrestaurator mit eigenem Antikladen gearbeitet hat, die auf die kleine Anna eine so große Anziehungskraft ausgeübt haben, dass sie sich heute noch gerne mit alten, schönen Dingen umgibt. Vielleicht war es außerdem die Persönlichkeit ihrer Mutter, die als Sozialpädagogin und Familientherapeutin gearbeitet hat und Anna auch zu dem geformt hat, was sie heute ist: eine Herzlichkeit und Lebensfreude ausstrahlende kreative Frau mit vielen Interessen und Tatendrang.

Als Kontrastprogramm zum wuseligen Café-Alltag freut sich Anna auf einen Saunabesuch, eine Yogastunde oder Spaziergänge in der Natur zusammen mit ihrem Mann. Sie nennt das: „Ins Grüne gucken“. Das macht sie glücklich und ist ja auch in Corona-Zeiten gottseidank möglich. Gerade jetzt denkt Anna Optenplatz auch sehnsüchtig an ihre vielen Reisen zurück: das Au-Pair-Jahr in Großbritannien, das Auslandssemester an der Designschule Kopenhagen und nach dem Studium die einjährige Weltreise mit ihrem damaligen Freund und heutigem Ehemann. Danach arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Kompetenzzentrum Social Design an der Hochschule Niederrhein. „Zum Schluss konnte ich mir dort mit Kathrin sogar eine Vollzeitstelle teilen. Und nebenher schmiedeten wir erste Pläne für unser Café“, freut sie sich noch heute, und schaut fast demütig.

Die Liesgen-Inhaberinnen Anna Optenplatz und Kathrin Helbig

Freude, Zielstrebigkeit und eine gewisse Pedanterie
Wenn Anna Optenplatz spürt, dass sie etwas tun muss, dann tut sie es: mit Freude und Zielstrebigkeit. „Und auch mit einer gewissen Pedanterie“, lacht sie und fügt hinzu: „Solange ich denken kann, habe ich nebenher gejobbt. Ich habe Schleifarbeiten im Geschäft meines Vaters übernommen, habe geputzt und Inventur gemacht, Nachhilfe gegeben und in einem Plattenladen in Krefeld gearbeitet. Später, als ich während meiner Studienzeit in Köln lebte, war ich in einer kleinen Patisserie für die Kaffeezubereitung und die Bewirtung der Gäste zuständig. Ich habe die Arbeit geliebt!“

Anna Optenplatz hat ihren Horizont stetig erweitert, ist dabei aber nie zum Spielball ihrer vielfältigen Interessen geworden. Denn mit dem Kennenlernen der beiden bis heute unzertrennlichen Freundinnen und Geschäftspartnerinnen stand für Anna und Kathrin fest: „Wir möchten ein eigenes Café eröffnen“. Anna ergänzt: „Wir wollten einen Ort schaffen, an dem sich Jung und Alt treffen, sich von uns mit Selbstgemachtem bewirten lassen und ihre Alltagssorgen für einen Moment vergessen können: quasi ein öffentliches Wohnzimmer, das wir nach unseren eigenen Vorstellungen kreieren können. Ausgerechnet während meiner Weltreise haben wir unseren Herzenswunsch per Mail besiegelt.“

Bis es dann allerdings soweit war, gingen noch fast zwei Jahre ins Land. Schließlich schreibt sich ein Businessplan nicht von allein, fällt die passende Location nicht vom Himmel, und freiwillige Kreditgeber stehen auch nicht Schlange. „Der aufregendste Moment im Liesgen war dann, als wir 2013 unseren allerersten Schritt in unser Ladenlokal gemacht haben. Da ist mein Herz gehüpft“, erinnert sich Anna Optenplatz.

„Erst einmal abwarten, aber durchhalten“
Apropos hüpfendes Herz: Im Gegensatz zu Mitinhaberin Kathrin Helbig ist Anna Optenplatz keine Kaffee-, sondern Tee- und Kakao-Trinkerin. „Ich liebe zwar den Geruch von Kaffee, bekomme aber schon Herzklabaster, sobald ich nur daran nippe“, lacht sie und erklärt, warum das Café – in dem Kaffee natürlich eine große Rolle spielt – seinen Namen trägt. Vorbild ist das Liesgen aus Johann Sebastian Bachs „Kaffeekantate“, die nur einen Mann heiraten will, der ihr ihre extensive Kaffeeleidenschaft auch in der Ehe gestattet. Und die Milch schlürfende Katze im Logo über der Eingangstüre zum Café ist eine Reminiszenz an das letzte Stück der Kantate: „Die Katze lässt das Mausen nicht“.

In diesem Sinne sagt sich auch das liebenswerte und positive „Pack-an-Duo“ vom Liesgen: „Wir müssen uns jetzt wieder neu ordnen. Durch den ersten Lockdown haben wir uns mit unseren fantastischen Kolleginnen und Kollegen, die sehr viel Spontanität, Loyalität und Einsatz gezeigt haben, ganz gut manövriert. Wir vertrauen darauf, dass es uns jetzt auch gelingen wird und haben auch schon wieder ein paar tolle Ideen im Kopf.“ Mit dieser Einstellung wird das Café Liesgen sicher noch viele weitere Jahre Krefelds Kaffeekultur bestimmen und für viele Menschen ein zweites Wohnzimmer fernab des Alltags sein.

Anna Optenplatz geht ein letztes Mal zur Vitrine mit der Kuchenkunst, denn gleich muss sie den Laden wegen Corona für vier Wochen schließen. Sie legt zwei große Stücke Passionsfrucht-Käsekuchen auf feine Porzellanteller, und bei einer Anismilch mit Pastis stoßen wir auf die Zukunft an.

Liesgen. Kunst + Kuchen
Wiedenhofstraße 71, 47798 Krefeld
Öffnungszeiten (hoffentlich bald wieder): die-sa, 9-19 Uhr
Reservierungen nur für Gruppen ab fünf Personen
www.liesgen.de