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30 Jahre Hörerbindung in Krefeld und dem Kreis Viersen Happy Birthday, Welle Niederrhein!

Der Lokalsender Welle Niederrhein prägt das Krefelder Stadtgeschehen seit 30 Jahren. Zum Geburtstag haben wir mit Redaktionsleiterin Anouk van der Vliet gesprochen.

Eigentlich hätten wir Anouk van der Vliet als Redaktionsleiterin von Welle Niederrhein mit tiefen Augenringen und leicht verkatert erwartet, denn wir besuchen die Redaktion im Medienhaus an der Rheinstraße einen Tag nach der großen Geburtstagsparty. „Durch die Pandemie haben wir dann doch nur on air gefeiert“, erklärt die junge Frau und lacht. „Alles andere wird nachgeholt.“

30 Jahre Welle Niederrhein. In anderer Zeitrechnung bedeutet das: drei unterschiedliche Bundeskanzler für Deutschland, die Einführung der fünfstelligen Postleitzahl, ein Leben ohne und ein Leben mit Computer und Internet, Rinderwahnsinn, Umstellung auf den Euro, Terroranschlag auf das World Trade Center, Arabischer Frühling und Krieg in Syrien, Brexit, Corona.

Die Anfänge 1991 auf der Rheinischen Landesausstellung

Ja, in 30 Jahre passt viel rein. Als der Lokalsender für Krefeld und den Kreis Viersen am 31. August 1991 auf der Rheinischen Landesausstellung vor 250 Gästen zum ersten Mal in Anwesenheit des ehemaligen Krefelder Bürgermeisters Friedrich Wilhelm Wahl auf Sendung ging, hätte wohl niemand voraussagen können, dass 30 Jahre später das Lokalradio einer der wichtigsten Identifikationspunkte mit der eigenen Region sein wird. „Wir haben vor allem während Corona gemerkt, wie nah wir an den Menschen und wie nah die Menschen an uns sind“, erklärt van der Vliet. „Als schnelles, regionales Medium verlassen sich die Leute auf den Sender. Sie fordern von uns Informationen, sie nehmen uns aber auch als Freunde wahr und sie vertrauen auf uns als Experten.“ Egal ob die Mutter mit den drei Schulkindern, die Frage zu neuen Quarantänebestimmungen hat, das mittelalte Paar, das am Wochenende immer aus Brüggen zum Einkauf in die Niederlande fährt, oder die Familie, die Urlaub auf den Kanaren plant und den Überblick darüber verloren hat, was denn nun in Corona erlaubt und was verboten ist  ̶  sie alle landen über das Telefon oder die sozialen Medien bei van der Vliet und ihrem Team. „Die Pandemie hat diese Bindung noch einmal verstärkt“, schildert die Redaktionsleiterin. „Das haben wir jetzt in Vorbereitungen auf den 30. Geburtstag gemerkt.

„Wir waren bei allen wichtigen Momenten dabei.“

Der Lokalsender Welle Niederrhein prägt das Krefelder Stadtgeschehen seit 30 Jahren. Zum Geburtstag haben wir mit Redaktionsleiterin Anouk van der Vliet gesprochen.

Monatelang hatte sich das Team im Sender an das Jubiläum herangetastet. Immer wieder riefen Moderatoren wie Sebastian Raab, Natascha Brücker, Monique van Schijndel und Sabrina Kehren Hörer dazu auf, Erinnerungen an Welle Niederrhein einzureichen. Über das Ergebnis waren selbst die Radiomacher erstaunt. „Es ist Wahnsinn, mit was die Menschen uns in Verbindung bringen“, schildert van der Vliet. „Es scheint so, als wären wir bei allen wichtigen Momenten im Leben dabei gewesen und als hätten auch sie uns mit unseren wichtigen Momenten in ihr Leben gelassen.“ Da ist zum Beispiel ein Hörer, der anrief, um davon zu erzählen, dass er vor vielen Jahren eine Nacht im Zoo über Welle Niederrhein gewonnen hatte und diese Nacht bis heute eine seiner prägendsten Erinnerungen sei. Oder da ist ein anderer Krefelder, der ein T-Shirt mit dem Foto der ehemaligen Moderatorin Uta Jetjens, die damals einen Sendeweltrekord im Lokalfunk aufgestellt hatte, über Jahre aufhob und dazu ein Album mit Zeitungsausschnitten anfertigte. Auch eine Sprachnachricht aus Texas hat das Team zum Geburtstag erreicht. Ein Auswanderer schildert hier, wie wichtig der Lokalsender als Verbindung zu seiner ehemaligen Heimat heute sei. „Ich glaube, dass die Hörer einfach merken, dass wir für das, was wir tun, brennen“, erklärt die junge Frau. „Wir lieben Radio, wir identifizieren uns selbst mit Welle Niederrhein und füllen den Job mit Leidenschaft.“

Radio bedeutet heute auch Wandel

Die Arbeit ist dabei nicht immer leicht. Denn vor allem die letzten Jahre waren von starken Veränderungen in der Radiokultur geprägt. Schon lange ist Radio nicht nur „das, was aus dem Lautsprecher kommt“, sondern das Team muss auch Social Media und Web bespielen. „Hätte ich einen Wunsch zum Geburtstag frei, würde ich mir wünschen, dass wir hier irgendwann einen Kreativen nur für Web einstellen können“, beschreibt van der Vliet. „Der Arbeitsaufwand dafür ist enorm. Die Anzahl der Teammitglieder ist aber dieselbe geblieben.“ In den Blick nimmt das Team auch die eigene Art, den Sender zu gestalten. Regelmäßig hinterfragt es Vorgehensweisen und Formate. So ist zum Beispiel der „Talk am Sonntag“ entstanden, der – bislang ganz untypisch für das Lokalradio – sich in einem einstündigen Gespräch einem Spezialthema widmet und damit die Regeln der Kurznachrichten bricht. „Als Privatsender gehören wir ja den NRW Lokalradios an und sind grundsätzlich verpflichtet, den gleichen Stil zu fahren“, schildert van der Vliet weiter. „Ich bin aber Fan davon, Dinge auszuprobieren. Geht nicht, gibt’s bei mir nicht.“

Der Lokalsender Welle Niederrhein prägt das Krefelder Stadtgeschehen seit 30 Jahren. Zum Geburtstag haben wir mit Redaktionsleiterin Anouk van der Vliet gesprochen.
Anouk van der Vliet leitet die Redaktion des Lokalsenders Welle Niederrhein

Der Kuchenfreitag

So entwickeln sich manche Ideen spielerisch zum Selbstläufer. So war es zum Beispiel mit dem Kuchenfreitag. „Sebastian Raab hat in irgendeiner Redaktionskonferenz gefragt, warum es eigentlich nie Kuchen bei uns gibt und ich habe kurzerhand entschlossen, dass nun jeden Freitag der Frühmoderator Kuchen mitbringt“, erklärt die Redaktionsleiterin. „Das hat dann irgendein Moderator on air erzählt und wir haben es gepostet. Danach ging es los.“ Heute bekommt das Team nicht nur von anderen Freitags-Kuchenessern aus Büros im Kreis Viersen und in Krefeld diverse Fotos zugeschickt, sondern einmal im Monat verlost Welle Niederrhein mit lokalen Sponsoren auch einen Kuchenbringdienst. Zum Geburtstag, so wundert es nicht, ist das Team von den Hörern selbst mit Kuchen überrascht worden. „Mit der 30 beginnt nun auch für uns irgendwie eine neue Zeitrechnung“, schildert die Redakteurin. „Aber wir tun alles dafür, dass diese tolle Hörerbindung bleibt.

Lieber Lokalsender Welle Niederrhein, auch wir sagen herzlichen Glückwunsch zum runden Jubiläum. Schön, dass es Dich gibt!